Entwicklung eines Modells

Bislang wurde einige inhaltliche Aspekte thematisiert, die im Kontext Kommunen eine Rolle spielen. In der Realität sind es einzelne konkrete Menschen, die in unterschiedliche Gruppen eingebunden sind, in deren Köpfen diese verschiedenen Aspekte als partielle Modelle verortet sind. Will man ein gemeinsames Modell bauen, das diese verschiedenen partiellen Modelle in einem Modell vereint, dann muss man versuchen, einige der partiellen Modelle als Referenzpunkte zu fixieren, um -aufbauend auf diesen- dann ein umfassenderes Modell zu erstellen. Daraus ergibt sich ein grober Plan, wie man vorgehen sollte:

  1. Experten Interviews: Ein Team von Experten interviewt wichtige Fachabteilungen einer Gemeindeverwaltung und befragt die kommunalen Experten, was aus ihrer Sicht die wichtigesten Parameter und Beziehungen zwischen diesen Parametern sind.
  2. Partielle Modelle: Aus diesen Interviews generieren Modellierungsexperten erste partielle Modelle.
  3. Evaluation partielle Modelle: Die partiellen Modelle werden direkt durch die kommunalen Fachexperten überprüft. Die partiellen Modelle werden solange verbessert, bis die kommunalen Experten mit dem Ergebnis zufrieden sind.
  4. Integriertes Modell: Sobald erste partielle Modelle vorliegen wird damit begonnen, ein integrierteds Modell zu bauen. Dieses bleibt solange im 'Hintergrund', bis die Experten mit dem partiellen Modell zufrieden sind.
  5. Evaluation integriertes Modell: Im Rahmen von Planspielen wird das integrierte Modell mit allen kommunalen Fachexperten überprüft. Diese Phase endet, wenn alle zufrieden sind.
  6. Planspiel Kommune: Liegt ein integriertes Modell vor, das von den kommunalen Fachexperten anerkannt wurde, dann wird dieses Modell im Rahmen von Planspielen zusammen mit Bürgern der Kommune weiter überprüft. Zugleich erhält so jeder Bürger die Möglichkeit, die Struktur und Dynamik seiner Kommune auf spielerischer Weise kennen zu lernen.

Dieses Phasenmodell zur Modellgenerierung beschreibt ein ideales Modell (unbeschränkt viel Zeit und Geld). In der realen Welt ist beides knapp. Man muss daher davon ausgehen, dass die Zeit für die Erstellung von partiellen und integrierten Modellen beschränkt ist, d.h. man wird eventuell in einem Durchgang nicht alle Aspekte vollständig abbilden können. Dies muss nicht notwendigerweise das 'Aus' für solch ein Vorgehen bedeuten. Dies liegt daran, dass wir es im Falle von sozialen System mit einer maximalen Komplexität zu tun haben, die -nach heutigen Erkenntnissen- grundsätzlich immer nur Annäherungen zuläßt. Man wird also immer, wie hoch der Aufand auch sein mag, nie ein vollständiges Modell bekommen. Für die beteiligten Personen ist dies aber nicht schlimm, da aus Sicht des einzelnen schon die Erarbeitung eines nur bedingt gültigen Modells einen großen Fortschritt darstellen kann. Vor allem dann, wenn dieses partielle Modell plötzlich auch von anderen in gleicher Weise geteilt wird. Dies erweitert den Raum gemeinsamen Handelns, und dies bedeutet eine relative Verbesserung der Situation.

Gerd Doeben-Henisch 2009-12-09