Im mathematischen Modell könnte eine Bevölkerung beliebig wachsen, in der realen Welt gibt es allerlei Grenzen. Am Beispiel von Pflanzen- und Tierpopulationen konnte man schon vielfach nachweisen, wie Wachstum und Schrumpfung einer Population an die Verfügbarkeit von genügender Nahrung geknüpft war. Wie ist es bei uns Menschen? Können wir uns beliebig vermehren oder gibt es auch für uns konkrete Wachstumsbarrieren?
Im Buch von Birg [12] findet sich eine ausführliche Diskussion der frühen Positionen zur Frage, wieviele Menschen die Erde wohl ernähren könnte. Dabei scheint es so zu sein, dass das bekanntere Werk von Malthus (1798)[52] bzw. (1803)[53] gegenüber dem Werk von Süssmilch (1741; 1765)[91] laut Birg das theoretisch weniger gewichtige Werk zu sein. Tendenziell versucht Süssmilch jene Regelmechanismen aufzudecken, die eine Bevölkerung nachhaltig stabiliseren und eben gerade ein ungezügeltes Wachstum verhindern. Wir können an dieser Stelle hier wiederum nur darauf hinweisen. Beispielhaft sei aber ein Aspekt herausgegriffen, nämlich der Aspekt des Süsswassers.
Sowohl Pflanzen wie Tiere, aber auch der Mensch sind elementar auf Süsswasser angewiesen. Dieses ist nicht vermehrbar; eher nimmt es durch Vergiftung und Versalzung noch ab. Nach Barlow und Clarke (2002)[6] beträgt die Menge des regenerierbaren Süsswassers im Wasserkreislauf der Erde 34 Mrd.ckm, das entspricht etwa 2.5% der gesamten verfügbaren Wassermenge der Erde. Dies klingt nicht sehr viel.
Wenn man sich allerdings die geschätzten Zahlen des Wasserverbrauchs anschaut (vgl. Bild 5.16), dann sieht das nach reinen Zahlen noch sehr gut aus.
Der Verbrauch wurde ermittelt mittels einem einfachen Weltmodell (vgl. Bild 5.17), an das ein kleines Modell zum Süsswasserverbrauch angehängt worden ist. Die interne Struktur des Verbrauchsmodells sieht man im Bild 5.18.
Ausgehend von einem individuellen privaten pro Kopf Verbrauch pro Jahr in Liter wird die Menge des Verbrauchs in der Landwirtschaft und der Industrie anteilig ermittelt. Dann werden alle drei Beträge addiert zum jährlichen Verbrauch. Dieser jährliche Verbrauch wird dann von Liter in Kubikkilometer (ckm) umgerechnet und dann von der verfügbaren Menge Süsswasser abgezogen. Dabei wird angenommen, das im Prinzip nur das Süsswasser oberhalb der Erdoberfläche verfügbar ist; dies sollen laut Barlow (2002)[6] etwa 1/60 des verfügbaren Süsswassers sein. Obgleich der Verbrauch weltweit deutlich ansteigt, erscheint er von den reinen Zahlen verschwindend gering gegenüber der tatsächlich verfügbaren Menge.
Demgegenüber gilt aber, dass schon im Jahr 2000 laut UN z.B. ca. 1 Mrd.Menschen über kein Trinkwasser verfügten, 3 Mrd verfügten über keine sanitäre Einrichtungen, in 31 Ländern der Erde herrschte akute Wasserknappheit; in China fallen die Grundwasserspiegel in den letzten 30-40 Jahren um jährlich 1-2 m, was in vielen Landesteilen -insbesondere im Norden- zu verheerenden Zuständen führt. Offensichtlich müsste das Wasserverbrauchsmodell noch erheblich verfeinert werden. So benötigen ja nicht nur die Menschen -die hier erfasst wurden- Süßwasser, sondern auch alle Pflanzen und Tiere. Wie gross ist diese Menge?
Gerd Doeben-Henisch 2009-12-09